Fast alle EU-Länder haben inzwischen Programme für Kurzarbeit oder ähnliche Formen befristeter Lohnzuschüsse. In den letzten Jahren haben viele Länder die Möglichkeit von Kurzarbeit eingeführt, von denen einige jetzt im Rahmen spezieller Krisenprogramme erheblich erweitert wurden. Die Zahl der Anträge dürfte höher sein als die Zahl der Arbeitnehmer, die tatsächlich Kurzarbeit leisten, da Unternehmen häufig vorsorglich Kurzarbeit beantragen. Dennoch sei europaweit ein “Allzeit-Rekordhoch erreicht worden”, schreiben die Autoren der Studie, Dr. Torsten Müller von ETUI und Prof. Dr. Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Kollektivvertragsarchivs. Die Bedeutung der Kurzarbeit als Instrument für das Krisenmanagement zeigt sich laut Müller und Schulten im Vergleich zu den USA, wo kaum Kurzarbeit im Einsatz ist und bereits mehr als 33 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verloren haben. Umso wichtiger sei es, Kurzarbeit finanziell zu unterstützen, wie es die EU-Kommission mit ihrer Initiative “SURE” vorgibt. SURE zielt darauf ab, EU-Mitgliedstaaten Darlehen in Höhe von 100 Mrd. EUR zur Unterstützung ihrer nationalen Kurzarbeitsprogramme zur Verfügung zu stellen.

Allerdings “ist bereits absehbar, dass die bisher von der EU bereitgestellten Mittel angesichts der hohen Zahl von Arbeitnehmern, die von Kurzarbeit betroffen sind, nicht ausreichen werden”, so die Autoren. Zweitens untersucht eine Studie des Instituts für Wirtschafts- und Sozialforschung (WSI) die Regelungen in Deutschland (einschließlich branchenrechtlicher Tarifverträge, die eine “Aufstockung” des Ersatzeinkommens gesetzlich vorsehen) und Europa. Kurzarbeit als Alternative zu Entlassungen hat sich in ganz Europa als Mittel zur Bewältigung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen der COVID-19-Krise durchgesetzt. Ende April 2020 gab es in der EU-27 mehr als 42 Millionen Anträge auf Unterstützung von Arbeitnehmern mit Kurzarbeit oder ähnlichen Programmen. Das entspricht fast 27 Prozent aller Mitarbeiter. Mit dem Vereinigten Königreich und der Schweiz steigt die Zahl der Anträge auf Kurzarbeit auf mehr als 50 Millionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue gemeinsame Studie des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (ETUI) und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Sie als Unternehmen können sich darauf vorbereiten, dass Sie die Möglichkeit haben, in Ihrem zentralen und lokalen Tarifvertrag kurzzuarbeiten.

Frankreich ist mit 11,3 Millionen das Land mit der höchsten Zahl, gefolgt von Deutschland mit 10,1 Millionen, Italien mit 8,3 Millionen und dem Vereinigten Königreich mit 6,3 Millionen (siehe auch Abbildung 1 im Anhang). Bezogen auf die Gesamtzahl der Beschäftigten hatte die Schweiz den höchsten Anteil an allen Anträgen auf Kurzarbeit (48,1 Prozent), gefolgt von Frankreich (47,8 Prozent), Italien (46,6 Prozent) und Luxemburg (44,5 Prozent); (siehe auch Abbildung 2 im Anhang). Der Arbeitnehmer kann die Arbeitszeit reduziert haben und erhält immer noch mehr als 90 Prozent seines Lohnes. Der Staat übernimmt einen großen Teil der Kosten. Ziel ist es, dass betroffene Unternehmen ihre Mitarbeiter behalten und sich schnell wieder rüsten können, wenn sich die Situation dreht.